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| Profil der Stiftung Hof Rülfing: Fruchtbares Land, fruchtbare Ideen |
Die Stiftung Hof Rülfing im Westmünsterland ist ein Beispiel für innovative Wege im Naturschutz: Ziel ist es, mit einer Kombination aus ökologischer Landwirtschaft und der Vermarktung von Ausgleichsflächen die bäuerliche Kulturlandschaft zu bewahren und gleichzeitig neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere zu schaffen. Im Jahr 2005 hat Familie Rülfing deshalb eine fiduziarische Stiftung gegründet und die Wald-Stiftung als Treuhänder bestimmt, die Überführung in eine selbstständige Stiftung soll folgen. Zweck der Stiftung ist die Unterstützung von Umwelt-, Landschafts-, Kulturlandschafts- und Denkmalschutz. Auch Wissenschaft, Forschung und der Heimatgedanke sollen gefördert werden.
Nachdem mit einem Kompensationsflächenpool das Aufwertungspotenzial der 80 Hektar großen Flächen bestimmt wurde, stehen nun 2,6 Millionen Ökopunkte zum Verkauf. Auf diese Weise sollen die Aufgaben der Stiftung finanziert werden. Mit einer Hofgastronomie und der Vermarktung betriebseigener Bioprodukte möchte sich die Stiftung Hof Rülfing außerdem als Ausflugsziel in der Region etablieren - ein idealer Ort, denn die Flächen liegen zum Teil im Projektgebiet "Dingdener Heide - Geschichte einer Kulturlandschaft". Das Land NRW, die Nordrhein-Westfalen-Stiftung und der Naturschutzbund (NABU) NRW stellen hier die landschaftliche Entwicklung ab dem Jahr 1320 in fünf Zeitzonen dar und zeigen anschaulich, wie die veränderten Ansprüche der Menschen die Landschaft beeinflusst haben. Auch der Hof Rülfing ist ein Beispiel für den Wandel: Nach vielen Jahrzehnten konventioneller Bewirtschaftung hat sich die Familie Rülfing für einen Richtungswechsel entschieden und den Betrieb auf ökologische Landwirtschaft umgestellt. Kern der Produktion sind der Ackerbau und die Mastschweinehaltung.
Mit der Stiftungsgründung und der Anerkennung des Kompensationsflächenpools durch die Untere Landschaftsbehörde sind auf den Flächen im Kreis Borken nun auch umfangreiche Aufwertungsmaßnahmen möglich. Das landschaftliche Leitbild ist eine feuchte Wiesen- und Weidelandschaft. Das Stiftungsgebiet soll künftig den Landschaftsraum der östlichen Niederterrassen des Rheins mit den Mooren und Feuchtwiesen des Westmünsterlandes sowie der Dingdener und Büngerschen Heide verbinden. Dabei gilt es, den Wechsel von Äckern, Wiesen, Waldarealen und Kleingehölzen, Heideflächen und Wallhecken zu erhalten und weiterzuentwickeln. Auch neuen Lebensraum für Tiere zu schaffen ist ein Ziel der Kompensationsmaßnahmen. In der Dingdener Heide haben Kiebitz, Uferschnepfe und Großer Brachvogel bereits ein Refugium gefunden. Die Flächen der Stiftung Hof Rülfing sollen künftig weiteren Schutzraum bieten.
Lage und Landschaft
Im Westen des Münsterlandes, nahe dem Niederrhein, befinden sich die Flächen der Stiftung Hof Rülfing. Ganz im Süden des Kreises Borken gelegen grenzen sie an den Kreis Wesel und gehören zur Stadt Rhede. Das Gebiet ist in mehrfacher Hinsicht landschaftsökologisch relevant: Es ist Bestandteil des Naturparks Hohe Mark, liegt zum Teil im Naturschutzgebiet Dingdener/Büngener Heide. Auch das elf Hektar große Naturschutzgebiet "Auewald am Essingholtbach" mit seinem Eschen-Eichen-Bestand und hohem Totholzanteil gehört dazu. Die Erhaltung und Wiederherstellung der Feuchtwiesen und -weiden, vor allem als Lebensraum für gefährdete Wat-, Wasser- und Singvögel sowie seltene Pflanzen stehen daher im Mittelpunkt. Ziel des Projektes "Dingdener Heide" ist es darüber hinaus, die Eigenart der bäuerlichen Kulturlandschaft zu erhalten. Mit seiner langen Tradition erfüllt der Hof Rülfing genau diesen Anspruch.
Erstmalig erwähnt wurde er in den Unterlagen des Klosters Werden unter dem damaligen Namen "Gut Essinkholte" im Jahr 1150. Der Essingholtbach im Naturschutzgebiet Auewald (siehe Bild) zeugt heute noch von dieser Zeit, die Hofgebäude sind unter der Adresse "Am Essingholtbach 1" zu finden. Familie Rülfing bewirtschaftet den Hof seit vielen Jahrzehnten, die historischen Gebäude stammen zum Teil aus dem Jahr 1896. Den Entschluss, von intensiver Landwirtschaft auf ökologische Bewirtschaftung umzustellen, haben Heinrich und Regine Rülfing im Jahr 2003 gefasst. Heute leben und arbeiten drei Generationen auf dem Hof. Mit der geplanten Gastronomie wollen sie ihren "Bilderbuch-Bauernhof" mit seinem malerischen Garten und den vielen Tieren auch für Touristen und Wochenend-Ausflüglern öffnen. Radrouten und ein Rundwanderweg durch die Dingdener Heide mit Informationstafeln zur Waldweide, Heidelandschaft, Kiefernaufforstungszeit, Gründlandwirtschaft und der intensiven Landwirtschaft locken bereits heute zahlreiche Besucher in die Gegend.
Die Umsetzung der geplanten ökologischen Aufwertungsmaßnahmen würde sich nicht nur aus naturschutzfachlicher Sicht positiv auf die Region auswirken: Baumreihen, Feldgehölze, Hecken, Obstwiesen und naturnahe Wälder haben beispielsweise auch eine bedeutende landschaftsästhetische Wirkung. Sie setzen als markante Punkte in der Feldflur oder entlang von Straßen Akzente, bereichern das Landschaftsbild und erhöhen die Attraktivität der Gegend für Besucher. Aus den Zinserträgen des Stiftungsvermögens lässt sich die Jahrhunderte alte Hofstelle erhalten. Zudem bleibt mit dem Hof Rülfing ein Stück Landschaftsgeschichte lebendig und ist sinnvoll in das Gesamtkonzept "Dingdener Heide - Geschichte einer Kulturlandschaft" eingebunden.
Für die naturschutzfachliche, juristische, kulturhistorische und wirtschaftliche Beratung hat die Stiftung Hof Rülfing die Wald-Stiftung als Treuhänder eingesetzt. Als übergreifende Organisation nimmt sie - fest an den Stiftungszweck gebunden - die mit der Vermögensgewinnung des Stifters verbundenen Rechte und Pflichten wahr. Sie begleitet die Kompensationsmaßnahmen, unterstützt die betriebliche Zukunftsplanung und ist bei der Vermarktung der Ökopunkte aktiv.
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